
Arbeitgeberverbände sehen Pflicht zu Homeoffice kritisch
Mehr Homeoffice und variable Arbeitszeiten - das sind zwei geplante Maßnahmen, um die Infektionszahlen in Deutschland zu senken. Die Arbeitgeberverbände im RSG-Land sehen den Plan allerdings eher kritisch. Aus Remscheid heißt es, man dürfe die Arbeitgeber in der aktuellen Lage nicht überfordern. Kontakte reduzieren, um Infektionen zu vermeiden - das ist natürlich auch im Interesse der Betriebe, sagt der Remscheider Arbeitgeberverband. Die meisten Unternehmen hätten in dieser Hinsicht auch schon sehr viel unternommen. Aber man können eben nicht über das hinaus gehen, was im Betrieb praktisch umsetzbar ist. So sieht das auch der Solinger Arbeitgeberverband. Hinzu komme, dass auch nicht jeder Arbeitnehmer zuhause genug Platz und Möglichkeiten habe, um in Ruhe zu arbeiten. Gerade wenn aktuell auch noch die Kinder zuhause sind. Die Forderung nach variablen Arbeitszeiten könne man ebenfalls nicht ganz nachvollziehen. So etwas gebe es in den meisten Betrieben doch schon längst.
Veröffentlicht: Donnerstag, 21.01.2021 04:27
Die Statements der Arbeitgeberverbände
Statement Horst Gabriel, Vorsitzender des Solinger Arbeitgeberverband:
"Im Arbeitgeberlager ist uns völlig unerklärlich, warum Herr Heil auf dieser Verpflichtung besteht. Und das auch noch einseitig, die Mitarbeiter sind nicht verpflichtet. Abgesehen von den vielen Tätigkeiten, bei denen Präsenz notwendig ist, ist auch nicht jeder in der glücklichen Lage, ein eigenes Büro mit arbeitsschutzgerechtem Platz in der Wohnung zu haben. Zumal sich da ja gerade auch die Kinder tummeln, die nicht zur Schule oder in den Kindergarten gehen. Stuhl und Computer stellt der Arbeitgeber ja gerne, das machen wir ja sowieso. Sollen wir jetzt auch noch für eine arbeitsgerechte Wohnung sorgen? [...] Und die verteilten Arbeitszeiten sind durch flexible Arbeitszeitmodelle aus den 1990er Jahren längst eingeführt, werden jetzt nur noch einmal präzisiert, damit sich die Menschen nicht auf den Gängen oder vorher im O-Bus begegnen. [...] Warum also ein Verpflichtung zu etwas, dass längst eingeführt ist?"
Statement Markus von Dreusche, Vorsitzender Remscheider Arbeitgeberverband:
"Generell denke ich, dass unsere Mitglieder bereits alles getan haben, um sich und ihre Mitarbeiter zu schützen, dies liegt ja auch schon im Eigeninteresse, denn Infektionen im Betrieb kann man sich nicht leisten. Dies gilt sowohl für die Ausschöpfung der Möglichkeiten Homeoffice oder mobile Arbeit zu ermöglichen, als auch für das Entzerren von Arbeitszeiten, um nicht nötige Kontakte zum Beispiel bei Schichtwechsel zu vermeiden. Die Maßnahmen dürfen allerdings Arbeitgeber nicht überfordern, wenn sie dazu führen, dass praktisch die Arbeit im Betrieb nicht möglich ist, kommt das einer Betriebsschließung gleich, vor der alle Arbeitgeberorganisationen seit langem warnen, da unser Wirtschaftssystem bereits durch den ersten Lockdown erhebliche Einschnitte erfahren musste."