
Coronavirus: Zahl der Infektionen im RSG-Land gestiegen
In Solingen gibt es jetzt 19 bestätigte Fälle, in Remscheid sind es inzwischen 8 Infizierte. Städte bringen weitere Schutzmaßnahmen auf den Weg.
Veröffentlicht: Sonntag, 15.03.2020 17:23
In Solingen ist Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in der Lungenfachklinik Bethanien ist von Freitag auf Sonntag von sechs auf 19 bestätigte Fälle gestiegen. Dies hat die Stadt am Abend mitgeteilt. Damit ist auch die Zahl der Menschen im Umfeld der Infizierten, die vom Gesundheitsamt zur Art Ihrer Kontakte befragt und die gegebenenfalls in häusliche Quarantäne geschickt werden müssen, sprunghaft auf über 300 angestiegen. Um die notwendigen Telefonate abarbeiten zu können, verstärkt seit gestern eine Einheit der Freiwilligen Feuerwehr den Telefondienst des Gesundheitsamtes.
Der Anstieg der Infektionen ist aus Sicht der Stadt ein Beleg dafür, dass Solingen erst am Anfang einer Infektionswelle steht, die das Gesundheitssystem und die Kommune vor große, bisher nicht gekannte, Herausforderungen stellen.
In Remscheid ist dem Gesundheitsamt in der Nacht von Samstag auf Sonntag gemeldet worden, die sich am Virus SARS CoV-2 infiziert hat. Damit steigt die Infektionszahl in Remscheid auf acht. Bei dem Erkrankten handelt es sich nach Auskunft der Stadt um einen Urlaubsheimkehrer aus Bad Ischel in Oberösterreich, der nach seiner Rückkehr am vergangenen Donnerstag (12. März) Erkältungssymptome zeigte und sich deswegen am Folgetag (13. März) krankgemeldet hat. Er befindet sich seitdem gemeinsam mit seiner Frau in häuslicher Isolation, Kinder hat das Paar nicht. Den acht infizierten Personen geht es gut, sagt Pressesprecherin Viola Juric, sie befänden sich alle in häuslicher Isolation.
Solingen: Massive Einschränkungen beschlossen
Am Dienstag, 17. März, null Uhr, tritt in Solingen eine „Allgemeinverfügung“ zu Veranstaltungen und Einrichtungen des gesellschaftlichen Lebens für das gesamte Stadtgebiet in Kraft, vorbehaltlich einer vom Land NRW angekündigten Verfügung. Sie bedeutet tiefgreifende Veränderungen des gewohnten Lebens. Die wichtigsten Maßnahmen:
- Öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen und Ansammlungen mit mehr als 50 Teilnehmenden dürfen nicht stattfinden. Bei Veranstaltungen mit weniger als 50 Teilnehmenden hat der Veranstalter oder die Veranstalterin die anwesenden Personen in einer Anwesenheitsliste mit zu erfassen,
- Messen, Ausstellungen, Spezialmärkte, Spielhallen, Spielbanken, Wettannahmestellen, Tanzveranstaltungen dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Geschlossen bleiben auch Parks wie die Gräfrather Fauna und der Ohligser Vogelpark.
- Kinos, Theater, Konzerthäuser, Museen und ähnliche Einrichtungen dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden.
- Gaststätten im Sinne des Gaststättengesetzes dürfen nur für den Publikumsverkehr geöffnet werden, wenn die Plätze für die Gäste so angeordnet werden, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen gewährleistet ist. Stehplätze sind so zu gestalten, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Gästen gewährleistet ist.
- Der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimmbädern, Fitnessstudios u. ä. wird untersagt.
- Die Verfügung enthält auch Bestimmungen für Krankenhäuser und Pflegeheime: Die Krankenhäuser werden verpflichtet, ihre personellen und sonstigen Ressourcen schwerpunktmäßig für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit COVID-19 oder Verdacht hierauf einsetzen.
Rathäuser, Bürgerbüros, Jobcenter am Montag geschlossen
Am Montag, 16. März, werden in Solingen alle Rathäuser, Bürgerbüros und Verwaltungsstellen der Stadtverwaltung einschließlich des Jobcenters und der Technischen Betriebe für den Publikumsverkehr geschlossen. Die telefonische Erreichbarkeit der Ämter und Dienststellen über die bekannten Rufnummern werde aber sichergestellt, teilt die Stadt mit. Wegen des erwartbaren hohen Gesprächsaufkommens werden sich Wartezeiten nicht vermeiden lassen. So viele Anliegen wie möglich sollten über eMail abgewickelt werden, bittet die Stadt. Die Verwaltung will den Tag nutzen, um den Publikumsverkehr neu zu organisieren und zu entzerren: Ziel sei es, die Ansteckungsgefahr für die Menschen in den Wartebereichen und die Verwaltungsmitarbeiter zu minimieren.
Remscheid entscheidet am Montag
Auch in Remscheid sind weitergehende Maßnahmen und Einschränkungen zu erwarte. "Der Remscheider Krisenstab wird in seiner morgigen Sitzung diskutieren, inwieweit das in der vergangene Woche beschlossene Maßnahmenpaket zum Schutz der Bevölkerung noch erweitert wird", teilt Pressesprecherin Viola Juric mit. Außerdem wird sich der Krisenstab mit konkreten Regelungen beschäftigen, wie städtischen Basisleistungen sichergestellt werden können, aber der Publikumsverkehr deutlich reduziert werden kann.