
Familie Genç wünscht sich Museum in Solingen
Bei der offiziellen Gedenkfeier zum Brandanschlag in Solingen standen gestern (29.05.) im Theater auch Angehörige der Familie Genc auf der Bühne. Sie wünschen sich ein Museum, um den Ort zu makieren.
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Es war eine Überraschung: Die Familie Genç ist auf die Bühne im Theater getreten und hat sich mit einem Wunsch an die rund 600 Gäste gewendet. Stellvertretend für die Familie sprach Özlem Genç (23 Jahre). An dem Ort des Geschehens, an der Unteren Wernerstraße soll neben der Stele auch eine Museum als Gedenkstätte entstehen. "Wenn Passanten vorbei gehen, sollen sie den Ort erkennen und verstehen, was dort passiert ist", sagt Özlem Genç.
An der Unteren Wernerstraße fanden rund um den Jahrestag am Wochenende auch verschiedene Andachten und Kundgebungen statt. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war vor Ort. Er hat gestern dazu aufgerufen wachsamer gegen Rassismus zu sein. Viel zu lange habe man in Deutschland rechte Strukturen und Ideologien übersehen oder ignoriert, so Steinmeier. Fälle wie in Hanau oder die NSU-Morde zeigten aber, dass das Problem weiter besteht, sagte auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bei der Gedenkfeier im Theater.
Um dagegen vorzugehen hat sich Bundesinnenministerin Nancy Faeser dafür ausgesprochen, vor allem bei der Prävention stärker anzusetzen, zum Beispiel durch mehr politische Bildung schon in Kitas und Schulen.
Auch Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach betonte: Man müsse jedes Anzeichen von Rechtsextremismus ernstnehmen. Solingen habe seit dem Pfingstsamstag 1993 eine besondere Verantwortung für den Kampf gegen Rassismus. Das Gedenken an den Brandanschlag dürfe daher kein Ritual werden.
Einsätze der Polizei
Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen hat es in Solingen bereits seit Sonntag (28.05.) Sperrungen und präventive Maßnahmen der Polizei gegeben. Gestern (29.05.) haben bei der Veranstaltung im Theater und Konzerthaus 600 Gäste teilgenommen. Das "Bündnis Solinger Appell" hat ebenfalls zu einem Aufzug aufgerufen: 400 Menschen haben sich beteiligt. Zudem hat es eine Kundgebung mit 60 Teilnehmern auf dem Walter-Scheel-Platz gegeben ("Internationales Bündnis"). Auch die DITIB-Gemeinde hat eine Versammlung mit 200 Teilnehmern organisiert.
Lautstarken Protest hat es dann für eine Stunde auf dem Mühlenplatz gegeben: 260 Menschen haben gegen eine Kundgebung von 10 Teilnehmern protestiert. Wegen der Nichtanmeldung der Versammlung und Beleidigungen hat die Polizei drei Strafanzeigen geschrieben.
Darüber hinaus verliefen die Gedenkveranstaltungen friedlich und ohne Probleme oder Ausschreitungen.
Der Brandanschlag 1993
Aus Fremdenhass zündeten am 29. Mai 1993 vier junge Solinger das Haus der Familie Genc an. Bei dem schrecklichen Anschlag starben fünf türkische Mädchen und Frauen. Die vor 17 Jahren verübte Tat zählt zu den schwersten ausländerfeindlichen Anschlägen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Täter zündeten Benzin im Flur des Mehrfamilienhauses an. Der Brand breitete sich schnell aus und versperrte der Familie den Fluchtweg nach draußen.