
Fridays-for-Future kämpft für Kleingärten
Wird die Kleingartenanlage am Busche-Kessel-Weg in Solingen bleiben oder zum Gewerbegebiet? Die Frage wird weiterhin angeregt diskutiert. Jetzt positionieren sich auch Solinger Klima- und Umweltschutzorganisationen dazu. Die 18.000 Quadratmeter große Grünanlage jetzt zu bebauen sehen die Klimaschützer problematisch. Dadurch werden weitere Grünflächen versiegelt, im Kontext des Klimawandelt könne sich das niemand leisten - heißt es in einem offenen Brief. Dazu kommt auch die Bedeutung der Anlage für alle die sie nutzen - insbesondere während der Pandemie habe man erkannt, wie wichtig Naherholungsgebiete mit Grünflächen für die Solinger sind. Im Gegensatz dazu steht die FDP, sie plädiert dafür das Gebiet in Zukunft als Gewerbefläche zu nutzen.
Veröffentlicht: Freitag, 13.08.2021 12:03
Offener Brief der Solinger Klima- und Umweltschutzorganisationen
Liebe Verantwortliche der BEG,
aus Presse und Politik haben wir erfahren, dass Sie das Gelände der Kleingartenanlage am Bussche-Kesselweg in Solingen verkaufen möchten. Wir würden uns an dieser Stelle erlauben, darauf hinzuweisen, welche gravierenden Folgen ein Verkauf an gewerbliche Käufer und die resultierende Nutzung als Industriefläche unter Klimaschutz-, Resilienz- und Biodiversitätsaspekten hätte.
Die Kleingartenanlage liegt im Stadtteil Ohligs, der in der letzten Zeit durch ein hohes Maß an Gewerbeansiedlung und Wohnbebauung weiter verdichtet worden ist. Dies ist vor dem Hintergrund des - Ihnen sicherlich bekannten - Wärmeinseleffekts problematisch.
Die Erkenntnisse der Wissenschaft¹ dazu sind eindeutig: Durch mehr Oberflächen aus Beton, die sich stärker erhitzen als natürliche Oberflächen, kommt es in Bereichen mit einer hohen Bebauungs- bzw. Versiegelungsdichte zu einer gravierenden Erhöhung der bodennahen Lufttemperatur. Je größer der Anteil der versiegelten Flächen in einer Stadt ist, desto extremer fällt diese Temperaturerhöhung aus und kann bis zu 10°C betragen. Ein Unterschied, der bei einer Hitzewelle für besonders vulnerable Menschen tödlich sein kann. Insbesondere im Kontext des Klimawandels kann sich niemand leisten, die Erkenntnisse der Wissenschaft in seinem Handeln zu ignorieren.
Der Kleingartenverein Bussche-Kessel-Weg hat bereits angekündigt, dass er die Anlage am derzeitigen Standort erhalten möchte. Eine solche Grünfläche stellt einen wichtigen Lebensraum für Insekten dar, die für den Erhalt der Ökosysteme unverzichtbar sind.
Laut WWF ist die Insektenbiomasse in Deutschland seit 1998 um 76% zurückgegangen². Würde der Kleingartenverein durch eine gewerblich genutzte Fläche ersetzt werden, wäre dies ein herber Rückschlag für die Bemühungen zahlreicher Solinger Initiativen für den Erhalt der Artenvielfalt, die sich zu diesem Zweck unter anderem in der Arbeitsgruppe „Solingen summt“ zusammengefunden haben.
Gleichzeitig hat insbesondere die Corona-Pandemie die gesellschaftliche Relevanz von Naherholungsgebieten und Grünflächen aufgezeigt. Dies unterstreicht auch die Ankündigung der NRW-Landesregierung Förderprogramme des Bundes daraufhin zu überprüfen, in den Kommunen naturnahe Oasen zu schaffen bzw. zu erhalten.
Im Angesicht der Klima- und Biodiversitätskrise, die eine globale Bedrohung darstellt, darf Gewerbebebauung aus unserer Sicht nur noch auf Brachflächen stattfinden. Das Gelände einer 18.000 m² großen und beliebten Kleingartenanlage erscheint uns dazu mehr als ungeeignet.
Laut den Zielen Ihrer Gesellschaft soll die BEG "in enger Kooperation mit den Städten und Gemeinden zügig eine städtebaulich sinnvolle und ökonomisch tragfähige Neuordnung und Integration der Bahnliegenschaften herbeiführen."³
Eine breite Mehrheit der Solinger Stadtgesellschaft und der Politik spricht sich allerdings gegen einen Verkauf des Geländes mit dem Resultat einer Gewerbebebauung aus. Ob ein Verkauf zur der Bahnliegenschaften "städtebaulich sinnvoll" ist, ist dabei höchst fragwürdig. Man bedenke die Folgen für Stadtklima, Ökosysteme und auch die Bewohner*innen des Kleingartenvereins, die dort ein erhaltenswertes Kleinod für sich geschaffen haben.
Lediglich die partielle Nutzung der Kleingartenanlage zum Ausbau der anliegenden Bahnstrecke erfüllt - unserer Ansicht nach - jenes Kriterium der städtebaulichen Sinnhaftigkeit.
Daher bitten wir Sie inständig, das Gelände nicht an Käufer*innen zu veräußern, die eine Gewerbebebauung planen. Im Lichte der von uns vorgebrachten Konsequenzen einer gewerblichen Bebauung wäre eine solche unvereinbar mit den ambitionierten Klimaschutzbestrebungen Ihres Mutterkonzerns, der Deutschen Bahn.
Für Gespräche stehen wir jederzeit und sehr gerne zur Verfügung. Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihr Vorhaben mehr auf das Wohl der Umwelt und der Bürger*innen der Stadt Solingen ausrichten würden.
Mit freundlichen Grüßen
Johanna Limbach für Fridays for Future Solingen,
Tobias Krüger für Parents for Future Solingen,
Christoph Kalde für den BUND Kreisgruppe Solingen,
Jakob Höroldt für Extinction Rebellion Solingen,
NaturFreunde Solingen-Theegarten,
& Bürgerinitiative Rettet das Ittertal