Hintergründe zum Corona-Verdachtsfall in Remscheid

Warum galt eine junge Remscheiderin als Verdachtsfall? Warum ist eine Infektion eher unwahrscheinlich? Wieso dauert der Test drei Tage? Radio RSG erklärt die Hintergründe.

Eine junge Frau war der erste Corona-Verdachtsfall in Remscheid. Darüber hatte die Stadt am Samstagabend (29. Februar) informiert. Das Gesundheitsamt hielt es allerdings für fraglich, ob sie sich tatsächlich infiziert hat. Radio RSG hat die Veranwortlichen der Stadt mit den meist gestellten Fragen und Kommentaren zu diesem Fall konfrontiert. UPDATE 2. März, 18.30 Uhr: Der erste Corona-Verdachtsfall in Remscheid hat sich NICHT BESTÄTIGT. Das teilt die Stadt mit. Die Tests bei der Frau und ihrem Lebensgefährten waren negativ.

Warum gilt die Frau als begründeter Verdachtsfall?

Die Remscheiderin hat Erkältungssymptome, die auch bei einer Corona-Infektion auftreten können, und sie könnte unbewusst Kontakt mit einer infizierten Person gehabt haben. Die Frau und ihr Lebensgefährte waren am Rosenmontag (24. Februar) auf einer Karnevalsparty in Gangelt im Kreis Heinsberg. Auf dieser Party waren auch (mindestens) zwei Menschen, die an der Karnevalssitzung am 15. Februar in Gangelt teilgenommen haben und im Laufe der vergangenen Woche positiv auf Corona getestet wurden. Ob es einen direkten Kontakt mit den beiden Remscheidern gegeben hat, ist nicht sicher, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Beide wurden daher vorsorglich getestet.

Was spricht gegen eine Infektion?

Beide Remscheider sind bislang nicht an Corona erkrankt. Die junge Frau war schon vor der Karnevalsparty erkältet. Ihr Freund ist gesund und zeigt keinerlei Symptome. Auch der Frau geht es soweit gut, sagt die Stadt.

Hatten die beiden Kontakt mit anderen?

Die junge Frau hatte nach Angaben der Stadt Remscheid bereits am Wochenende vor Rosenmontag eine Erkältung, was zu einer Krankschreibung für die kommende Woche geführt hat. Somit habe sie nach der Party keine Kontakte am Arbeitsplatz gehabt. Ihr Freund hat derzeit Urlaub. Die Anzahl der möglichen Kontaktpersonen sei daher gering. Am Samstag (29. Februar) wurden beide im Sana-Klinikum getestet. Seitdem befinden sie sich vorsorglich in häuslicher Quarantäne.

Warum dauert der Test drei Tage?

Das Testergebnis soll erst am Dienstag (3. März) vorliegen. Theoretisch dauert so ein Test nur wenige Stunden. Aber in der derzeitigen Situation gäbe es bei den Laboren eine sehr hohe Auftragslage mit entsprechende Wartelisten. Das führe zu den Verzögerungen, erklärt die Stadt. Auch die Ergebnisse der Kontaktpersonen aus Gangelt hätten erst nach acht Tagen vorgelegen. Dies wird sich nach Einschätzung des Gesundheitsamtes noch verschärfen, je mehr Testungen stattfinden.

Wie läuft die Zusammenarbeit?

Das Gesundheitsamt der Stadt Remscheid betont, dass sich die beiden Remscheider sehr verantwortungsbewusst verhalten hätten. Das Paar habe am 27. Februar bereits Kontakt zum Gesundheitsamt aufgenommen und auf die Teilnahme an der Karnevalsparty in Gangelt hingewiesen. Zu diesem Zeitpunkt wurde von Behörden nur die Karnevalssitzung am 15. Februar nachverfolgt, die als Ausgangspunkt mehrerer Infektionen gilt. Als das Remscheider Paar erfuhr, dass unter den inzwischen positiv getesten Kontaktpersonen auch mindestens zwei ihnen bekannte Gäste der Party am Rosenmontag waren, haben sie das Gesundheitsamt erneut kontaktiert und darauf hingewiesen. Die beiden hätten sich sehr umsichtig und unaufgeregt verhalten, betont eine Stadtsprecherin. Das Gesundheitsamt leitete daraufhin die weiteren Maßnahmen ein.

An wen kann ich mich bei Fragen wenden?

Die Feuerwehr Remscheid bittet dringend darum, den Notruf (112) nicht durch allgemeine Fragen zum Corona-Virus zu blockieren, sondern sich damit an das gemeinsame ServiceCenter der drei bergischen Großstädte zu wenden. Die Hotline ist aus allen drei Städten über lokale Vorwahlen erreichbar:

  • für Wuppertal über die Telefonnummer 0202/563-0,
  • für Solingen über die Telefonnummer 0212/290-0
  • für Remscheid über die Telefonnummer 02191/160-0

Das Bergische ServiceCenter ist montags bis freitags in der Zeit von 7 bis 19 Uhr erreichbar.

Auch die Landesregierung hat ein Bürgertelefon Corona-Virus eingerichtet. Unter der Rufnummer (0211) 855 4774 ist das ServiceCenter des Landes NRW montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr erreichbar.

Warum berichtet Radio RSG darüber?

Zum Vorwurf der "Panikmache" erklärt RSG-Chefredakteur Thorsten Kabitz:

Wir haben vor einigen Tagen in Solingen erst erlebt, welch fatale Folgen es haben kann, wenn ein Gerücht über eine angeblich infizierte Frau im Netz die Runde macht. Die Falschmeldung hat es leider sogar bis ins Fernsehen geschafft, offenbar ohne von den betreffenden Medien gründlich überprüft zu werden. Wir stehen in direktem Kontakt mit den zuständigen Behörden vor Ort und wollen durch sachliche Berichterstattung dazu beitragen, dass keine Gerüchte und dadurch unnötige Verunsicherung entstehen. Ich finde daher es richtig und gut, dass die Stadt Remscheid offen und transparent mit diesem Verdachtsfall umgeht. Es ist ein Verdacht und es spricht einiges dafür, dass er sich nicht bestätigt. Der Frau kann im Moment nur eines wünschen: Gute Besserung! Gleichzeitig kann niemand ausschließen, dass es auch im RSG-Land noch zu einem bestätigten Fall kommt. Die Vorgehensweise in Remscheid gibt mir aber das gute Gefühl, dass die Verantwortlichen vorbereitet sind. Das ist wahrlich kein Anlass zur Panik, sondern eher ein Grund, beruhigt zu sein.

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