
Kindstötung: Einblicke in die Psyche der Angeklagten
In dieser Woche wird der Prozess gegen eine Solingerin fortgesetzt, die fünf ihrer Kinder getötet haben soll. Am Landgericht in Wuppertal wurde in einem der Prozesstage der ehemalige Psychotherapeut der angeklagten Mutter vernommen. Er berichtete von dem Leid der jungen Frau. Der Psychotherapeut hat die heute 28-jährige zwischen 2005 und 2008 in einer Klinik betreut. Er schildert, dass die damals erst 13-jährige von schweren Misshandlungen durch ihren Vater berichtete. In der Klinik suchte sie nach Hilfe, die Therapie wurde allerdings im Jahr 2008 abgebrochen. Der Therapeut geht davon aus, dass die Angeklagte durch ein Erlebnis in ihrer Jugend traumatisiert wurde - an einer Art Borderline-Störung litt. Gut möglich, dass seine Aussagen dem Prozess nun noch mal eine neue Wendung verleihen. Bisher geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Solingerin voll schuldfähig ist. Ihre Verteidiger sehen das anders. Wie das Gericht entscheidet, soll in zehn weiteren Verhandlungstagen geklärt werden.
Veröffentlicht: Mittwoch, 25.08.2021 03:59
Zusammenfassung der letzten Prozesstage
Zehn weitere Verhandlungstermine wurden festgesetzt, nun wird das Urteil gegen die Solingerin im Oktober erwartet. Ihr wird vorgeworfen im September 2020 an der Hasselstraße fünf ihrer sechs leiblichen Kinder getötet zu haben.
Die Verhandlungstage 12 und 13 hatten nur wenig zur Aufklärung des Sachverhaltes und der Vorgeschichte der Angeklagten beigetragen, eine 67-jährige Zeugin war am Montag vernommen worden. Sie war bis vor sieben Jahren in Mönchengladbach bei der Kriminalpolizei für Sexualdelikte zuständig und im Rahmen der Strafanzeige von Christiane K. gegen einen Bekannten zuständig, der die Angeklagte in der Kindheit sexuell bedrängt haben sollte. Die ehemalige Kriminalbeamtin hatte jedoch keine Erinnerungen mehr an den Fall. Fakt ist jedoch, dass der Peiniger zum fraglichen Zeitpunkt inhaftiert war und die Tat zum genannten Tatzeitpunkt nicht vollzogen haben konnte.
Am Dienstag wurde ein Psychotherapeut vernommen, er hatte 2005 - 2008 in der LVR-Klinik Viersen mehrfach mit der Angeklagten in Kontakt gestanden. Damals war Christiane K. mit tiefen Depressionen, psychotischen Erbrechen, selbstverletzenden Handlungen und als Schulschwänzerin in die Klinik gekommen. Es folgten Berichte über Mobbing. Nach einem Schulwechsel sei es zunächst besser geworden, dann jedoch wieder schlimmer. „Christiane war immer in Not, jedes Gespräch war dramatisch.“.
Die damalige Jugendliche äußerte „Ich halte das nicht aus“, berichtete von Streiterei mit dem Vater und Schulstress. 2007 erzählte sie in der Klinik erstmals vom sexuellen Missbrauch, welcher sich 2005 ereignet haben sollte.
Die Sitzungen mit dem Therapeuten waren in Abständen von 4 - 6 Wochen, oft zeigten sich aber Unwahrheiten im Gespräch mit unterschiedlichen Gesprächspartnern. „Die Schilderung des Missbrauchs war durch die Jugendliche sehr glaubhaft, sie berichtete unter Tränen während es ihr sichtbar schwerfiel“. Die therapeutische Behandlung wurde 2008 abgebrochen.
Die beiden weiteren Zeuginnen waren zwei Mitarbeiterinnen der LVR-Klinik Viersen. Beide hatten jedoch angegeben, sich nicht mehr an den Fall erinnern zu können.