
Solingen braucht einen neuen Kämmerer
Die Stadt Solingen braucht einen neuen Stadtkämmerer. Der bisherige, Ralf Weeke, gibt diesen Posten auf eigenen Wunsch hin auf. Er wird künftig als Betriebsleiter der Technischen Betriebe tätig sein, teilt die Stadt mit. Nach etlichen finaziellen Krisen könne er einfach nicht mehr. Ralf Weeke wird nach über 13 Jahre als Stadtkämmerer von „Vergeblichkeitsgefühlen“ geplagt, formuliert es die Stadtverwaltung etwas eigenwillig. Weeke selbst wird deutlicher: seine Bilanz klingt erschöpft und auch ein Stück weit frustriert. Solingen kämpfe seit Jahren um einen ausgeglichenen Haushalt, blicke nun aber wegen Corona erneut in den finanziellen Abgrund. Bund und Land würden der Stadt zu wenig helfen. Solingen stehe jetzt, auch wegen des Hochwassers, vor einem finanziellen Neuanfang. Und dafür brauche es eine „unverbrauchte Führungskraft“, so Weeke.
Der 52jährige Diplom-Betriebswirt Ralf Weeke ist seit 2001 Beigeordneter der Stadt Solingen. Bis 2008 stand er dem Ressort für Bürgerservice, Ordnung und Sicherheit sowie Vermögen vor. Bevor er 2008 zum Kämmerer der Stadt gewählt wurde, war er zusätzlich von 2004 bis 2008 nebenamtlich Erster Betriebsleiter des Vermögensbetriebes der Stadt Solingen (VBS), aus dem nach dem Zusammenschluss mit den Entsorgungsbetrieben die Technischen Betriebe Solingen hervorgingen. Von 2001 bis 2016 war er als Beigeordneter für die EBS und später TBS verantwortlich.
Veröffentlicht: Donnerstag, 09.09.2021 08:47
Das ganze Statement von Ralf Weeke:
„Länger als ich hat wohl kein Kämmerer in Solingen amtiert. Es waren extrem kräftezehrende Jahre, in der sich aus der Rückschau Krise an Krise gereiht hat. Von der globalen Finanzkrise 2008 über die Konflikte mit den Landesregierungen zur Entschuldung der Gemeinden bis zur Fluchtbewegung vor sechs Jahren, die vom syrischen Bürgerkrieg ausgelöst wurde und schließlich zur Pandemie und Hochwasserkatastrophe. Noch jeder Fortschritt, für den ich gekämpft habe - hin auf das Ziel eines langfristig ausgeglichenen Haushaltes - wurde durch Entscheidungen auf Bundes- oder Landesebene bald wieder Makulatur. Seit 2018 hatten wir tatsächlich die schwarze Null im städtischen Etat erreicht; die Corona-Pandemie, die allein für Solingen bislang über 60 Millionen Euro Kosten verursacht hat, lässt uns nun wieder in den finanzpolitischen Abgrund blicken. Bund und Land tun zu wenig, Städten wie Solingen wirklich zu helfen. Die Solinger Finanzpolitik steht nach Pandemie und Flut vor einem Neuanfang. Nach langer innerer Prüfung habe ich einsehen müssen, dass die Klingenstadt in dieser Situation und an dieser Position eine in dieser Frage unverbrauchte Führungskraft benötigt, die noch die ungeminderte Leidenschaft und Zuversicht in sich trägt und neue Impulse setzen kann.“