
Solinger Messerattacke bleibt "für immer ein Tag der Trauer"
Bei einer Trauerfeier im Solinger Konzertsaal wurde heute (01.09.2024) der Opfer des Messeranschlags gedacht. Die Reden von Bundespräsident Steinmeier, Ministerpräsident Wüst und Oberbürgermeister Kurzbach hier zum Nachhören.
Veröffentlicht: Sonntag, 01.09.2024 14:21
Mit einer Trauerfeier im Theater und einer Kranzniederlegung auf dem Fronhof ist in Solingen gestern noch einmal der Opfer der Messerattacke (vor zehn Tagen) gedacht worden. Bundespräsident Steinmeier, Kanzler Scholz und weitere Vertreter aus der Bundes- und Landespolitik nahmen daran teil. Unter den 450 Gästen der Trauerfeier im Konzertsaal waren auch Opfer, Angehörige und Einsatzkräfte.
Die Bluttat von Solingen galt uns allen, sagte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier. Der mutmaßlich islamistische Täter habe auf das Herz eines offenen, vielfältigen Landes gezielt. Steinmeiers Rede war geprägt von der Anteilnahme mit den Opfern, mit einigen Angehörigen und Einsatzkräften hat er zuvor auch kurz gesprochen. Für den kaltblütigen Terroranschlag eines Islamisten gebe es keinen Trost, so Steinmeier. Aber der Bundespräsident rief auch dazu auf, sich von der Angst, die solche Taten auslösen, nicht lähmen oder spalten zu lassen. Versäumnisse müssten aufgearbeitet werden, so Steinmeier in Anspielung auf den Täter, ein ausreisepflichtiger Syrer (26). Zu den politischen Dimensionen formulierte Steinmeier klar: Deutschland wolle weiter Asyl bieten für Politisch Verfolgte und die, die sich an Recht und Gesetz, dürfe sich bei der Zahl derer, die kommen, aber auch nicht überfordern. Das sei nun eine gesamtstaatliche Anstrengung für alle demokratischen Parteien.
Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach schlug in seiner Rede noch einmal den Bogen zum 650-jährigen Stadtgeburtstag, das man vor einer Woche eigentlich fröhlich feiern wollte: "Diese Freude ist Geschichte". Das Jubiläum werde für immer ein Tag der Trauer sein. Noch längst sei nicht jede Träne getrocknet. Kurzbach erinnerte aber auch noch einmal an den Solinger Brandanschlag 1993 und stellte die Frage in den Raum: "Warum immer Solingen?" Die Menschen täten ihr Bestes. Was hier geschehen sei, sei nicht gerecht. Davon werde man sich aber nicht einschüchtern lassen, so Kurzbach: "Wir sind Solingen und Solingen beugt sich niemals dem Terrorismus."
Dennoch, stellte NRW-Ministerpräsident Wüst fest, werde es ein "vor Solingen und ein nach Solingen" geben. In Bezug auf Migrationspolitik und Asylverfahren müsse man "die Dinge beim Namen nennen" und ohne Parteiengezänk nach Lösungen suchen.
